Schneller Radweg statt Radschnellweg

Bürger diskutieren über Radschnellwege

Einen wichtigen Baustein. um dem stetig wachsenden Autoverkehr entgegenzutreten, bildet neben der Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs die Förderung und Verbesserung des Radwegenetzes im Umland und Richtung München. Immer mehr Bürger steigen auf das Fahrrad um, nicht nur um Staus zu entgehen, sondern auch aus Gründen der Gesundheit und des Umweltschutzes.

Doch die Radwege zwischen den Gemeinden und bis nach München sind teilweise schlicht nicht vorhanden oder schlecht ausgebaut und im Winter kaum zu befahren. Vielfach müssen die Radfahrer Umwege in Kauf nehmen oder auf Straßen ausweichen, die von Autos befahren werden.

Daher waren die rund 35 Teilnehmer, die sich zu einer Veranstaltung des Landkreises zum Thema Korridore für neue Radschnellverbindungen im Bürgersaal Forstner zusammengefunden hatten, gespannt wie künftige Planungen aussehen werden. Zudem wurde von den Planern die Möglichkeit geboten selbst bei der Gestaltung mitzuwirken und das eigene Wissen einzubringen. Grundlage war die Idee eine Verbindung von Oberhaching über Taufkirchen und Unterhaching bis nach München zu schaffen. „Sie sind die Experten vor Ort, daher ist ihr Wissen für uns wichtig“, meinte Dennis Stocksmeier vom Büro Planungssozietät.

Er berichtete den Bürgern, dass ein so genannter Radschnellweg verschiedene Voraussetzungen, wie gerade Linienführung, geringe Beeinträchtigung an Knotenpunkten oder wenig Steigungen, erfüllen muss.

Auf Nachfrage, wann mit dem Bau und der Fertigstellung zu rechnen sei, erklärte er, dass dies „wohl nicht innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre geschehen würde, ein Zeitfenster nicht abzuschätzen sei. Auch die Frage, welche politischen Gremien letztlich entscheiden werden, konnte der Experte nicht beantworten.

Kritisch betrachtete Alexander Maierhöfer, Referent des Oberhachinger Bürgermeisters, der als Gast ebenfalls die Veranstaltung besuchte, die Situation. Er wies darauf hin, dass der Bau eines Radschnellwegs sich äußerst kompliziert gestaltet, sei es wegen Grundstücken, die erworben werden müssten, oder auch aufgrund ökologischer Aspekte, wenn der Weg beispielsweise durch den Wald führt und im Winter der Einsatz von Salz nötig wäre. „Die Gemeinde Oberhaching arbeitet seit vier Jahren an einer Verbindung von Sauerlach über Oberhaching bis nach München und obwohl es sich um einen Bestandsweg handelt, der eigentlich nur ausgebaut werden muss, ist es schwierig“, sagte er. Endlich kann dieses Jahr der Abschnitt von Sauerlach nach Oberhaching gebaut werden.“ Der Ausbau der weiteren Strecke bis zur Großhesseloher Brücke ist im Entstehen. Nach seinen Worten ist es „unredlich vorhandene und weit fortgeschrittene Planungen jetzt nicht einzubeziehen“.

An drei Stellwänden mit großen Karten sammelten sich die interessierten Radfahrer, um ins Detail zu gehen. Erich Wittmann, der eigens aus Unterhaching gekommen war, meinte, dass ein Radweg entlang der Gemeinden Oberhaching, Taufkirchen und Unterhaching von vielen Ortsansässigen ebenso wie Schülern genutzt werden würde. Er hielt eine qualitativ gute Verbindung zwar für wichtig, doch eine schnelle Lösung ebenso. Er plädierte dafür bestehende Wege zu nutzen und lieber einen schnellen Radweg zu haben als einen Radschnellweg, auf den man Jahre warten muss.

Florian Boos aus Oberhaching wies darauf hin, dass der Radweg durch Oberhaching statt an der Linienstraße, wie geplant, besser über die Alte Oberbiberger Straße führen sollte, da es dort weniger Berührungspunkte mit Fußgängern und Autofahrern gebe. Johannes Ertl dachte sogar an einen Radweg entlang der Autobahn 995, da dieser eine besonders schnelle Verbindung nach München bedeuten würde.

Die Tendenz ging schließlich hin zu zwei Wegen, die zum einen von Oberhaching aus Richtung Isar, zum anderen Richtung Ostbahnhof führen könnten.

 

Text und Foto: Birgit Davies

Abdruck nicht honorarfrei