Fröhliches Mahl auf Luthers Spuren

Fröhliches Lutheressen

Der Duft frisch zubereiteter deftiger Gerichte lag in der Luft und Holzlöffel klapperten in den irdenen Schalen beim „Lutheressen“ im Gemeindehaus der evangelischen Kirchen „Zum Guten Hirten“.

Rund 100 Gäste erlebten einen vergnügten Abend mit guten Gesprächen, vielen Scherzen und mittelalterlicher Musik mit Krummhorn und Laute ganz nach Luthers Motto: „Iss, was gar ist, trink, was klar ist, red, was wahr ist.“

„Es ist einfach schön, mit netten Leuten einen entspannten und fröhlichen Abend zu erleben, Gemeinschaft zu genießen, bei der Gott ins tägliche Leben eingebunden ist, wie beim Tischgebet“, meinte Elke Zahler, die sich wie viele andere Teilnehmer ein Gewand aus der Zeit besorgt hatte, um die Stimmung an der Luthertafel noch authentischer zu machen. Ihre achtjährige Tochter Lina freute sich vor allem, mit einem Holzlöffel zu essen, denn zu Luthers Zeiten gab es noch keine Gabeln. „Und ich darf heute richtig lange aufbleiben“, strahlte sie.

Verkleidete „Mägde“ und „Knechte“ waren zwischen den langen Tischen unterwegs und versorgten die Familien mit kühlen Getränken aus Tonkrügen. Neben Apfel- und Traubensaft gab es dunkles Bier und für die Kinder speziell alkoholfreies „Kinderbier“, denn wie Pfarrer Karsten Schaller berichtete, tranken zur Zeit Luthers auch die Kinder oftmals Bier, weil das Wasser verschmutzt war.

Gemeinsam mit seiner Frau, Pfarrerin Irene Geiger-Schaller, berichtete er den Gästen auch von Luthers Licht- und Schattenseiten, denn der Reformator hatte deutliche Meinungen und hielt damit nicht hinter dem Berg. So schätzte er einerseits die Bayern aufgrund ihrer Freundlichkeit, bezeichnete sie andererseits aber als „ungezügeltes Volk“.

Beim Mahl waren die Teilnehmer durchweg begeistert von den Trachten, wie anno dazumal die Speisenfolge genannt wurde. Es gab „Brodt und Schmalz, Suben von Bonen“ (Bohnensuppe), „Pratem vonne swine“ (Schweinebraten) „mit Swallenberges salse“ (Wein-Honig-Sauce) und zum Abschluss Bratapfel mit „Lebzelten“ (Lebkuchen). „Die Gerichte wurden von den Helfern selbst zubereitet“, freute sich Schaller über das Engagement der Kirchenmitglieder.

Text und Foto: Birgit Davies
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