Verantwortung im Gepäck

Nachdenkliche Töne zur Abiturfeier

Die nötige Portion Gelassenheit und vor allem die Lust, sich „für die Welt und das eigene Umfeld“ zu engagieren, wünschte Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle den diesjährigen Abiturienten bei der Abschlussfeier in der neu gebauten Mehrzweckhalle der Deisenhofener Grundschule.

Nach seinen Worten sind vor allem die menschlichen Erfahrungen von Bedeutung, die die Schüler während der Jahre am Gymnasium machen konnten. „Viel von dem, was Sie gelernt haben, wird verblassen“, meinte er zum Lachen der Gäste. „Aber was wirklich zählt, sind Freundschaften und Miteinander – pflegen Sie das.“ Zum Applaus der 139 Abiturienten und ihrer Angehörigen betonte er, dass man in der Schule das Rüstzeug bekommen soll, um seinen individuellen Lebensweg zu finden und zu gehen, dabei seine Talente einzusetzen und „bei allem Leistungsdenken den Menschen selbst als die eigentliche Mitte zu erkennen“.

Wie anschließend Schulleiter Mathias Müller stolz berichtete, haben zum fünften Mal in Folge alle Schüler das Abitur erreicht, vier mit der Traumnote 1,0 und 38 Prozent mit einer Eins vor dem Komma. In seiner Ansprache betonte er aber auch, dass sich die jungen Leute aktuell großen Herausforderungen stellen müssen. „Eigentlich habe ich mich stets daran gehalten, nicht politisch in einer Rede zu werden, doch die Krisenhaftigkeit der derzeitigen Weltlage ist nicht zu leugnen, wir leben in stürmischen Zeiten“, meinte er. Er erinnerte die Schüler daran, dass jede Veränderung beim „Ich“ beginnt, das sich seiner Verantwortung für Familie, Umfeld und Gesellschaft stellen sollte. „Das klingt so einfach und ist im Alltag so schwierig.“ Nach seinen Worten sollte die Schule angemessene Antworten auf das Infragestellen der Demokratie, Wissenschaft per se beispielsweise beim Klimawandel, Manipulation durch Medien, Nationalismus und Aufrüstungstendenzen bieten. „Wahrheit und Vertrauen sind der Fels, auf den wir bauen können, und das erfordert Mut.“ Er betonte zum Applaus der Gäste, dass sich Weltoffenheit, gewonnen durch Reisen oder Praktika im Ausland, wie es viele Schüler gerade planen, und Heimatverbundenheit nicht gegenseitig ausschließen.

Auch Abiturientin Marie-Noelle Pfuhl erinnerte in ihrer Ansprache daran, „wie verdammt gut es uns in Deutschland geht“. Als besonderen Höhepunkt im Schulleben betrachtete sie die „Afghanistantage“, die einmal im Jahr am Gymnasium stattfinden und bei denen seit vielen Jahren für den Erhalt eines Krankenhauses im ländlichen Raum Afghanistans gesammelt wird. Nach ihrer Meinung konnten die Schüler durch dieses Projekt ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie es den Menschen dort geht, und sehen in diesem Zusammenhang auch die Abschiebungen, die derzeit laufen, differenziert. „Wir meckern oft, doch eigentlich leben wir hier im Paradies.“

Glücklich und stolz empfingen anschließend alle nicht nur ihr wohlverdientes Abiturzeugnis, sondern erhielten auch eine orange Rose mit auf den Weg.

Text und Foto: Birgit Davies
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