Bräustüberl im Ort gesucht

Brauereigenossenschaft hat viel vor

„Mit 30.000 Litern Bier haben wir im ersten Jahr enorm viel verkauft“, berichtete erfreut Florian Schärpf, bei der Brauereigenossenschaft Oberhaching zuständig für Marketing und Vertrieb, jetzt zur ersten Generalversammlung im Bürgersaal beim Forstner den 140 Mitgliedern der Genossenschaft, die gekommen waren, um sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren.

Mittlerweile zählt die Genossenschaft über 400 Mitglieder und es werden drei unterschiedliche Biere angeboten. Neben dem naturtrüben Kellerbier gibt es das Deisenhof’ner Weißbier und neu seit Weihnachten das Stephani-Dunkel, das nach Worten von Schärpf zum Überraschungshit wurde.

„Bei der Gründung letztes Jahr haben wir gesagt, dass Bier Heimat braucht, aber nicht klar ist, ob unsere Heimat noch ein Bier braucht“, meinte Bürgermeister Stefan Schelle, der Aufsichtsrat in der Genossenschaft ist. „Es hat sich aber klar bestätigt, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Wie er zum Applaus der Mitglieder betonte, entsteht durch die Genossenschaft eine Gemeinschaft, bei der Menschen aller Generationen und sozialer Schichten ein gemeinsames Ziel verfolgen und sich dafür einsetzen.

In Arbeit ist derzeit auf vielfachen Wunsch der Kunden ein Helles. Der 20-jährige Oberhachinger Brauer Johann Griebl, der letztes Jahr bei der Münchner Meisterschaft der Jungbrauer den dritten Platz erreichte, entwickelt gerade ein passendes Rezept. „Es werden verschiedene Sude angesetzt, mal mehr malzbetont, dann mit stärkerer Hopfennote, wobei die Auswahl der Sorten ein entscheidender Faktor ist“, erklärte er. „Letztlich soll ein ausgewogener Geschmack überzeugt werden.“ Wie Schärpf darlegte, wurde im letzten Jahr in die Anschaffung von Flaschen, Bierkästen und Fässern investiert. Dieses Jahr soll die Absatzmenge deutlich erhöht werden auf 80.000 Liter. Gebraut wird weiterhin beim Wildbräu Grafing, jedoch soll langfristig eine eigene Braustätte geschaffen werden.

War bei der Gründung noch geplant, Brauerei und Bräustüberl auf einem Grundstück zu eröffnen, hat sich inzwischen gezeigt, dass dies angesichts der Grundstückspreise wohl ein schwieriges Unterfangen wäre. So steht nun zur Überlegung, die Brauanlage etwas außerhalb von Oberhaching zu bauen und im Ort ein passendes Bräustüberl zu finden. Schärpf betonte, dass zum Erfolg das Engagement aller Genossen gefragt ist. „Wir sind angewiesen auf die Netzwerke aller Mitglieder, um bekannter zu werden.“ Ein wichtiger Schritt dazu ist unter anderem, dass das Bier der Brauereigenossenschaft mittlerweile nicht nur beim Getränkemarkt Tremmel, sondern auch in Gaststätten am Ort wie im Weißbräu, beim Italiener Il Mercatino und im thailändischen Restaurant Thai Fai erhältlich ist. „Zudem haben wir neu den Zapfhahn im Bürgersaal übernommen.“

Der Jahresabschluss wurde einstimmig von den Genossen beschlossen. Bei der anschließenden Wahl des dreiköpfigen Aufsichtsrates muss jedes Jahr ein Mitglied seinen Posten räumen, kann sich aber erneut zur Wahl stellen. Normalerweise betrifft es das Mitglied, das am längsten dabei ist. Da jedoch alle gleich lang im Amt sind seit der Gründung, entschied das Los und entfiel auf Stefan Schelle, der sich zur Wiederwahl stellte und mit nur zwei Gegenstimmen erneut in den Aufsichtsrat gewählt wurde. Den Aufsichtsrat bilden weiterhin Peter Steinberg, Berno Breitruck und Stefan Schelle, im Vorstand sind Sascha Bucklitsch und Florian Schärpf. Brauer Johann Griebl hat gute Aussichten, ebenfalls im Vorstand tätig zu werden und den Arbeitskreis Brautechnik zu übernehmen, den zuvor Wolfgang Lex innehatte, der jedoch auf eigenen Wunsch ausgeschieden ist.

Anschließend erlebten die Mitglieder beim Verkosten der Biere an den weiß-blau gedeckten Tischen einen vergnüglichen Abend, begleitet von zünftiger Blasmusik der Blaskapelle Deisenhofen.

Text und Foto: Birgit Davies
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