Sorge um Nachfolger im Vorstand der ILI

Die ILI hat bereits viel erreicht

Es brummt, zischt, pfeift und manchmal ertönt ein lauter Knall. Der Lärm abgestellter Züge entlang der S-Bahn-Gleise kann für die Menschen, die in der Nähe wohnen, nervenaufreibend sein. Die Interkommunale Lärmschutz-Initiative, kurz ILI, engagiert sich seit über neun Jahren dafür, unnötigen Lärm abgestellter Züge zu reduzieren, damit Anlieger wieder in Ruhe schlafen oder Garten und Balkon nutzen können.

Mittlerweile hat sich die Initiative durch Beharrlichkeit, technisches Verständnis und diplomatisches Geschick einen guten Stand bei S-Bahn und DB erarbeitet. Selbst ein Großkonzern wie Siemens geht auf die ILI zu, wenn es darum geht, neue Züge zu entwickeln und dabei auf Lärmquellen zu achten.

Nun könnte die jahrelange Arbeit auf dem Spiel stehen. Wie erster Vorsitzender Werner Litza jetzt bei der Jahresversammlung berichtete, wird der Vorstand bis auf den zweiten Vorsitzenden Alois Wichtlhuber bei der turnusgemäß anstehenden Wahl nächstes Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Vor wenigen Wochen im Januar 2017 ist Schatzmeister Hans-Dieter Bretz mit nur 56 Jahren verstorben. „Wir haben nicht nur einen engagierten Unterstützer, sondern auch einen guten Freund verloren“, betonte Litza. Er selbst will nach zehn Jahren intensiver Arbeit 2018 das immense ehrenamtliche Engagement aufgeben, ebenso wie Schriftführerin Regina Radetzky. „Wir haben zwar schon mögliche Nachfolger für die Ämter des Kassiers und des Schriftführers im Auge, doch bisher konnte niemand als erster Vorstand gefunden werden.“

Insgesamt zählt die ILI heute 189 Mitglieder, darunter sind zwölf Gemeinden und Städte wie Oberhaching, Aying, Tutzing, Wolfratshausen, Holzkirchen, Altomünster und der Landkreis München. Weiterer Wermutstropfen ist nach Worten Litzas, dass der Geschäftsführer der S-Bahn München, Bernhard Weisser, geht. „Das ist ein herber Verlust, denn er ist ein Bahnmanager, der konstruktive Lösungsansätze unterstützte, bis sich Ergebnisse erzielen ließen.“

Und positive Entwicklungen kann sich die ILI durchaus auf die Fahne schreiben. Das geht von praktischer Hilfe durch Meldemöglichkeiten per App bei akutem Lärm über technische Nachrüstungen bei Klimaanlagen oder Diffusoren bis jetzt hin zur Mitwirkung bei der Ausschreibung neuer Zuggenerationen, um Lärm schlicht im Vorfeld zu vermeiden. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) sieht sich aber nicht in der Lage, ohne Rechtssicherheit technische Anforderungen zu stellen und die europaweite Ausschreibung entsprechend zu formulieren. Die verlangte Rechtssicherheit ist jedoch nur möglich, wenn entsprechende Empfehlungen in die Schriften des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) aufgenommen werden. Daran arbeitet die ILI gerade intensiv, unter anderem mit Hilfe einer Studie der TU Berlin, die aufzeigt, dass es wesentlich leichter und preiswerter ist, Fehler im Vorfeld zu verhindern als später nachrüsten zu müssen.

Große Hoffnung setzt die Initiative außerdem auf ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts vom Oktober letzten Jahres. Dort wurde bei einem Rechtsstreit zwischen DB Netz und dem Eisenbahn-Bundesamt geklärt, dass abgestellte Fahrzeuge nicht mehr „das Privileg der Schiene“ haben und daher das Bundes-Immissionsschutzgesetz neu greift und andere Werte gelten. „Da jubiliert mein Herz“, freute sich Schriftführerin Regina Radetzky. Doch auch dieser Kampf wird wohl länger dauern, da zu erwarten ist, dass die DB Netz in Revision geht. „Dann muss man das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts abwarten“, betonte Radetzky.

Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle, der Beirat bei der ILI ist, meinte, dass Mobilität ein zentraler Faktor im Ballungsraum München ist und man durch gute Anbindungen ins weitere Umland die Wohnraumengpässe abmildern könnte. Dazu ist aber die Akzeptanz der Bürger für die Züge in ihrem Umfeld wichtig, sprich, die Belastungen durch unnötigen Lärm sind zu vermeiden.

Text und Foto: Birgit Davies
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