Meilenstein gegen Bahnlärm

Meilenstein gegen Bahnlärm

Es brummt, zischt und manchmal ertönt ein lauter Knall, und das direkt neben dem eigenen Zuhause. Der Lärm abgestellter Züge entlang der S-Bahngleise kann für die Menschen, die in der Nähe wohnen, nervenaufreibend sein.

Die Interkommunale Lärmschutz-Initiative, kurz ILI, hat es sich seit zehn Jahren auf die Fahne geschrieben unnötigen Lärm abgestellter Züge zu reduzieren, damit Anlieger wieder in Ruhe schlafen oder Garten und Balkon nutzen können. Mittlerweile hat sich die Initiative, die in Oberhaching gegründet wurde, durch Beharrlichkeit, technisches Verständnis und diplomatisches Geschick einen guten Stand bei S-Bahn und DB erarbeitet.

Das Bewusstsein für die Lärmproblematik konnte bei den Verantwortlichen soweit geschärft werden, dass nun ein echter Meilenstein geschafft wurde. Per Rundschreiben veröffentlichte Mitte Januar der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) eine von der ILI initiierte VDV-Mitteilung, die Empfehlungen beinhaltet, um Geräusche bei Schienenfahrzeugen in der Abstellung zu reduzieren und das bereits bei Konstruktion und Herstellung. So können Vergabestellen schon bei der Ausschreibung neuer Züge beziehungsweise Regionalnetze diese Empfehlungen aufgreifen.

Die beste Nachricht ist sicher, dass für die in München anstehenden Ausschreibungen für die nächste S-Bahn-Generation der ILI schriftliche Zusagen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren vorliegen, dass die Pegelhöchstwerte, die in der VDV-Mitteilung genannt werden, zur Anwendung kommen sollen. Dabei handelt es sich um bis zu 350 neue Züge, die dann entsprechend ausgerüstet sind und ab 2026 mit Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke eingesetzt werden. „Das ist für die betroffenen Landkreisgemeinden und auch die Münchner ein riesiger Schritt“, freut sich Werner Litza, Erster Vorsitzender der ILI.

Gleichzeitig betont er, dass damit auch viel für die Umwelt getan wird, da die Geräte, die Lärm verursachen, dann schlicht ausgeschaltet sind und keine Emissionen produzieren.

Es war ein steiniger und mühsamer Weg bis zu diesem erfreulichen Ergebnis. Insgesamt zählt die ILI heute über 200 Mitglieder, darunter 13 Gemeinden und Städte wie Oberhaching, Aying, Tutzing, Wolfratshausen, Holzkirchen, Altomünster und der Landkreis München. Es wurde zunächst in den Anfängen der ILI ein Gutachten zum Lärmschutz erstellt und damit eine technische Grundlage für Verbesserungen geschaffen. Parallel fanden zahlreiche Gespräche mit der S-Bahn München statt, die zunächst kritisch eingestellt war. „Zum Glück hatten wir in Bernhard Weisser einen aufgeschlossenen Sprecher der Geschäftsleitung, so dass es letztlich gelang umfangreiche technische Verbesserungen an den Zügen vorzunehmen, die für große Erleichterung bei den Anwohnern sorgten“, betont Litza. Außerdem erarbeitete die ILI ein Lärmmelde-System, das engagierte Mitglieder in die Tat umsetzten. Dabei melden Anlieger Lärm aktuell an die Leitstelle der Bahnbetreiber, die dann jemanden zur Prüfung und Abstellung schicken. „Es gibt rund 100 Meldungen pro Jahr und mittlerweile setzen die Bahnmitarbeiter selbst Meldungen ab“, freut sich Litza über das große Engagement von allen Seiten.

Trotzdem ist die ILI weiterhin gefragt, um Fahrzeuge im Betrieb zu begleiten und auf diese Weise sicherzustellen, dass die Lärmminderung erfolgt. „Wir sind aber zuversichtlich, da die Industrie an entsprechenden lärmmindernden Lösungen bereits arbeitet.“

 

Text und Foto: Birgit Davies

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