Bunte Wände statt grauer Beton

Frohsinn gegen Tristesse

Farbe satt und lustige Motive statt trister grauer Betonwände verbreiten in der Rad- und Fußgänger-Unterführung, die zur Kugler Alm führt, gute Laune. Ein fröhlicher Mickey Mouse-Kopf, ein leuchtend roter Marienkäfer, Iron Man oder ein frecher grüner Drache finden sich einträchtig nebeneinander und sollen den Leuten, die dort vorbeigehen oder -radeln ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Im Rahmen eines Graffiti-Kurses des Jugendzentrums A12 konnten 12 Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren ihrer Phantasie freien Lauf lassen und besprühten nach dem Motto bunt und fröhlich statt grau und trist mit Konzentration, Akribie und Teamarbeit die 23 Meter lange Unterführung.

Seit fünf Jahren bietet das Jugendzentrum einmal im Jahr einen Graffiti-Workshop an und bisher wurden vier Unterführungen im Gemeindegebiet aufgepeppt. Nun freut sich die Kugler Alm über die Verschönerung, die zudem hässliche Schmierereien überdeckt, und versorgte die jungen Künstler kostenlos mit Essen und Getränken.

„Das Bemalen der Unterführung ist natürlich der Höhepunkt des Kurses und macht alle sehr stolz“, erklärte Christian Zahler vom Jugendzentrum. An drei Samstagen haben die Kids zuvor jede Menge Theorie und Praxis zum Thema Graffiti erfahren.

Carlos Aristizabal, der den Master in „interkultureller Kommunikation“ an der FH in München hat, arbeitet bereits seit vielen Jahren in Jugendzentren, um jungen Menschen einen vernünftigen Zugang zu Graffiti als Ausdrucksmittel und Kunstform zu geben. Dabei spielt neben den künstlerischen Aspekten natürlich die Rolle von Graffiti als Mittel des Protests und der Kritik an der Gesellschaft eine Rolle. „Junge Leute wollen ihr Umfeld verändern und aktiv an der Gestaltung ihrer Umwelt mitwirken, das hier ist eine optimale Möglichkeit dazu.“ So haben die Jugendlichen viel über die Geschichte von Graffiti erfahren, sowie über „wildes Sprühen“ und wo man in der Öffentlichkeit legal Bilder machen kann.

Nun stellten sie ihr Können unter Beweis. In der letzten theoretischen Stunde haben alle gemeinsam überlegt, wie die unterschiedlichen Motive, die sich jeder ausgesucht hatte, miteinander verbunden werden können. „Es macht einfach richtig viel Spaß“, meinte die 15-jährige Lena, die schon das vierte Mal dabei ist. Mit Kartons voller Sprühdosen sind die Jugendlichen bei der Unterführung angerückt und haben innerhalb eines Tages die Wand bemalt.

„Die Graffiti in den anderen Unterführungen sind immer noch intakt“, freute sich Aristizabal. „Das zeigt, dass Sprayer die Kreativität anderer zu schätzen wissen und nicht wild darüber sprühen.“ Die Gemeinde unterstützt das Projekt und hilft mit den Mitarbeitern des Bauhofs, die unter anderem für die nötigen Absperrungen sorgen.

„Natürlich haben wir es auch immer wieder mit Vandalismus zu tun und gehen konsequent mit der Polizei dagegen vor, aber in den bemalten Unterführungen bleiben die Bilder erhalten, daher fördern wird das gerne“, erklärte Bürgermeister Stefan Schelle. Und Zahler betonte, dass „die Leute durchweg positiv reagieren und sich über das Engagement der Jugendlichen freuen“.

 

Text und Foto: Birgit Davies

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