Auf geht’s zum Stephaniritt!

Auf geht's zum Stephaniritt!

Klingende Silberglöckchen am frisch polierten Zaumzeug, Tannenzweiglein und Blumen, die in kunstvoll geflochtenen Mähnen und Schweife gesteckt sind – so traben beim traditionellen Stephaniritt stolz die Pferde zum kirchlichen Segen vor St. Stephan.

Am 2. Weihnachtsfeiertag können die Oberhachinger den festlichen Ritt miterleben. Der Festzug startet um 13.30 Uhr am Deisenhofener Maibaum. Bis ins 19. Jahrhundert reicht in Oberhaching die Tradition des Stephaniritts zurück. Während des 2. Weltkrieges musste ausgesetzt werden, doch in den 50er-Jahren wurde der Brauch wieder aufgenommen. Allerdings wurde der festliche Zug um die Kirche nur noch unregelmäßig gepflegt, da die Motorisierung in der Landwirtschaft die Pferde verdrängte. „Vor allem die Rasse der Süddeutschen Kaltblüter oder Oberländer war fast vom Aussterben bedroht“, berichtete Florian Schelle, 1. Vorsitzender des Stephanivereins. Nur noch rund 700 der prächtigen Tiere waren damals in ganz Bayern zu finden. Dank engagierter Pferdeliebhaber konnte die Zahl der Rösser mit ihren hellen Mähnen und Schweifen jedoch stetig erhöht werden. Und 1977 erlebte die alte Tradition des Stephaniritts eine Renaissance, als der Burschenverein Deisenhofen wieder einen Ritt auf die Beine stellte. Im Jahr darauf gründeten interessierte Oberhachinger den Stephaniverein. Seither können Pferdeliebhaber den Segen für sich und ihre Tiere wieder regelmäßig vor der Kirche empfangen und die zahlreichen Zuschauer den schönen Umzug genießen.

Nicht nur Kaltblüter, Warmblüter und Ponys zeigen sich liebevoll geschmückt, auch viele zum Teil historische Fuhrwerke sind mit Girlanden und Tannenzweigen herausgeputzt. Natürlich fehlt nicht auf einem Fuhrwerk die Darstellung der Heiligen Familie mit Krippe, ebenso wenig wie die Kirchen Oberhachings, die in Miniatur zu sehen sind, vorneweg die Kirche St. Stephan, die denselben Namenspatron hat wie das Fest. Außerdem präsentieren sich im schönsten Festgewand der Trachtenverein „D’Gleißentaler“ und die „Hachingertaler“ aus Unterhaching, der Schützenverein, die Burschenvereine, der Pfarrgemeinderat sowie viele private Kutschen und Reiter, die Gottes Segen für das nächste Jahr erbitten. Dreimal führt der Weg in weitem Bogen rund um die Kirche St. Stephan, musikalisch begleitet von der Blaskapelle Deisenhofen. Und wer von den begeisterten Zuschauern ein Festzeichen erwirbt, unterstützt den Verein in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit.

Text und Foto: Birgit Davies
Abdruck nicht honorarfrei